2003-8-12

                                                                                                        Michio Fujita

    

      Meine Erfahrung des Leidens nach dem  Abwurf einer Atombombe

             in Nagasaki Japan, den 9. August 1945

              --- für die Abschaffung der Kernwaffen und der Verwirklichung des Friedens

         

  Ich war ein Schüler des zweiten Schuljahres, im Alter von dreizehn, als ich die Atombombenexplosion in Nagasaki, Japan erlebte. Ich war zu hause mit meiner älteren Schwester. Wir fingen früh an  Mittag zu essen, als ein starkes gleißendes Licht uns entgegen schlug. Es war zwei Minuten nach elf. Ich dachte in diesem Moment, dass eine große Bombe vor mir barst. Ich warf mich nieder und presste mein Gesicht auf den Boden. Dann glaubte ich, daß starke Explosionen unser Haus immer wieder heftig zerrissen. Es schien mir sehr lang, möglicherweise fünf oder zehn Minuten. Nachdem es aufhörte, stand ich ängstlich und vorsichtig auf und war erstaunt zu sehen, daß ein Teil der Wand und  des Daches eingestürzt war und ich den Himmel sehen konnte. Die Sachen auf dem Tisch lagen rechts und links auf dem Boden zerstreut. Eine Menge kleiner zerbrochener Glasstückchen häufte sich über dem ganzen Fußboden an. Einige von ihnen steckten in den Wänden. Wir hatten Glück nicht durch diese  verletzt worden zu sein.

  Wir gingen langsam aus dem Haus heraus und versuchten, die Stelle zu finden wo die Bombe eingeschlagen hatte. Viele unserer Nachbarn versuchten dasselbe, aber ohne Erfolg. Unser Haus war drei Kilometer vom Mittelpunk der Explosion entfernt. Es gibt einen Hügel in Nagasaki, der die Stadt in zwei Hälften teilt. Die Urakami Seite des Hügels, wo die Bombe explodierte wurde braun, weil die Strahlung von 5000 Grad Hitze alles getötet und zerstört hatte. Aber die andere Seite blieb grün. Mein Haus war auf dieser anderen Seite. Alle Leute, die im Bereich von einem Kilometer vom Zentrum des bombardierten Bereichs lebten, wurden getötet.

  Feuer streute sich über der Stadt aus. Viele Opfer aus dem Urakami Bereich flüchteten sich auf unsere Seite des Hügels. Ich hörte, daß die meisten ihnen schreckliche Verbrennungen hatten und kaum gehen konnten. Bei einigen von ihnen löste sich die Haut von den Händen. Ich hörte von einem meiner Mitschüler, daß ein Klassenkamerad von mir der im Urakamei Bereich lebte, allein ging und eine Steppdecke auf seinem Kopf hielt. Leider abe ich ihn seit diesem Tag nie wieder gesehen. Nach meiner Vermutung, starb er auf dem Wege zum Haus seiner Verwandtshaft, sehr zu meinem bedauern. 

  Bald nach der Explosion, fing es an zu regnen. Der Regen wurde "schwarzer Regen"genannt weil er dunkelgrau und schmutzig war. Wir wussten nicht, daß er radioaktives Material enthielt. Es gab sieben Zimmer in unserem zweistöckigen Haus, aber nur drei Räume blieben bewohnbar, weil wir den Regeneinbruch nicht stoppen konnten. Die ganze Kleidung in den Schränken und  die Büchern in den Regalen wurden ruiniert.

  In dieser Nacht,  kamen amerikanische Flugzeuge  mehrere Male. Sie warfen grelle Leuchtbomben ab, um Nagasaki zu überblicken. Ich erschrak weil ich dachte dass diese die gleiche Bombenarten waren.  Weil der Luftschutzraum unter dem Fußboden unseres Hauses klein und nicht ausreichend war, gingen meine Schwester und ich zu einem Reisspeicher in der Nähe, der einen großen und besseren Luftschutzraum hatte. Wir erhielten die Erlaubnis, uns einzutragen. Dort war eine junge Frau, die der Strahlung im Urakami Bereich ausgesetzt war und ich musste nahe bei ihr sitzen. Sie sagte schwer atmend, "wir können nicht überleben, selbst wenn wir auf dem Berg oder im Meer wären". Ich glaube, daß ich sekundär Strahlung von ihr empfing. Sie starb einige Tage später und ihr Körper wurde auf der Straße verbrannt. Alle öffentlich Dienste funktionierten zu dieser Zeit nicht.. Viele Leichen wurden auf den Straßen verbrannt und hinterließen einen schlechten Geruch in der Luft.

 Reis und andere Nahrungsmittel wurde in Japan zu dieser Zeit rationiert. Aber dieser unentbehrliche Service wurde nach der Bombardierung eingestellt. Die meisten benachbarten Familien waren  in der zweiten Augusthälfte aufs Land  geflüchtet.  Aber wir hatten keinen Ort zu dem wir hätten gehen können. Schließlich hatten wir die ganzen Nahrungsvorräte im Haus aufgebracht. Meine Mutter teilte morgens die Weizenmehlsuppe in kleinen Portionen unter uns aus und sagte, "dieses sind unsere letzten Lebensmittel. Wir haben nichts mehr zu essen."   In diesen Tagen aßen wir  Sojabohnekuchen, Algen und dergleichen. Ich kann nicht sagen, wie sich meine Mutter fühlte als sie diese Worte sagte. Wir lagen teilnahmslos und hoffnungslos in unserem Haus. Es war ein heißer Sommertag und die Zeit verging, ein Uhr am Nachmittag, zwei Uhr, drei Uhr.... Es gab nichts für uns zu tun. Zu dieser Zeit hörten wir jemanden schreien, "wir verteilen jetzt Weizen. Ein amerikanisches Schiff hat es gebracht ".Meine Schwester stand auf und sagte :" ich gehe es hole!". Ich werde nie ihre Stimme vergessen.

Meine Mutter kochte sofort. Es war roter und runder Weizen. Wir  saßen am Tisch und aßen ihn mit Salz. Ich kann mich nicht erinnern, dass  mir  seit damals jemals wieder etwas so köstlich geschmeckt hat.

 Anfang September erhielt ich die Nachricht, daß unsere Schule anfangen würde. Als ich zur Schule ging, sah ich, daß einige meiner Mitschüler nicht mehr dort waren. Ein Freund von mir hatte eine Glatze. Er verlor sein Haar wegen der Strahlung. Zu dieser Zeit wusste ich nicht, dass auch ich eine lange Zeit darunter leiden würde.
Da unser Haus teilweise zerstört war, wurden wir einige Monate nach der Bombardierung in den Schlafsaal der Kassui Schule, in der mein Vater

Lehrer war, umquartiert.  Meine Schwester und ich gingen zum Schlafsaal, um unsere Räume vorher zu überprüfen. Wir übernachteten in dem Raum für eine Nacht. Eine Fensterscheibe des Raumes war zerbrochen, aber es war nicht kalt. Zu meinem Erstaunen war mein Hals am folgende Morgen so schrecklich geschwollen, dass ich kaum atmen konnte. Dies war das ersten Anzeichen der Strahlenkrankheit, die durch die Atombombe verursacht wurde. Ich hatte natürlich keine Möglichkeit dies zu wissen. Jeder kleine Kratzer vereitert schnell seit dieser Zeit, und es scheint, dass die Abwehrkraft meines Körpers gegenüber Verletzung gesunken ist.

 Ich war häufig erschöpft, müde und hatte leichtes Fiber wenn ich zur Universität in Tokio ging. Ich nahm an, daß ich mir eine Lungenkrankheit eingehandelt hatte und ging zu einer Überprüfung. Es gab aber keine Anzeichen für eine Lungenentzündung.

 Ich lebte zu hause in Nagasaki und war Collage-Student im zweiten Jahr,als ich eine Entzündung der Mundschleimhaut bekam. Mein Doktor sagte, daß es sich bald bessern würde. Aber die Entzündung wurde stärker und die weißen Ekzem, verbreiteten sich über meine Zunge und im ganzen Mundraum. Wenn Essen diese Punkte berührte, selbst wenn es weich war, war es extrem schmerzhaft. Ich mußte flüssige Nahrung, nicht zu heiß und nicht zu kalt zu mir nehmen. Zu dieser Zeit hatten wir nicht viel zu essen aber meine Mutter kümmerte gut um mich

  Jedoch wurde meine Zunge immer mehr angegriffen und mein Körper wurde schwach. Ich könnte die Nacht nicht durchschlafen. Ich schwitzte nicht nur mein Bettuch durch sondern auch die ganze Matratze war jeden Tag durchnässt.

 Wegen dieses Schmerzes dachte ich, daß ich nie wieder gesund werden und aufstehen könnte. Dank meiner Mutter, schaffte ich die Universität und fing an bei einer Firma zu arbeiten. Aber das Gefühl der Erschöpfung blieb. Ich kann nicht vergessen, wie ich häufig ganz  im Zug erschöpft war, wenn zurück nach Hause fuhr. Es brauchte ungefähr 25 Jahre, bis meine Gesundheit wieder hergestellt war.

 Meine ältere Schwester, die mit mir zusammen derAtomexplosion ausgesetzt war, starb  an Leukämie. Ich glaube daß dies von der Strahlung kam.

140.000 Zivilisten in Hiroshima und 70.000 Zivilisten in Nagasaki wurden bis Ende 1945 getötet. Andere Überlebende mußten aber unter den Krankheiten leiden, die eine lange Zeit durch Strahlung verursacht wurden. Einige von ihnen noch leiden noch immer.



* Viel Dank an Herrn Fujita, mein Lehrer des Lebens, für seine Freundschaft und für die Erlaubnis diesen Artikel in meiner Homepage zu veröffentlichen..


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